Samstag

Wir werden fliegen übers Meer

Ich fühle mich ummantelt von einer Art Melancholie. Die Müdigkeit überkommt mich, aber ich möchte nicht schlafen gehen. Ich möchte dieses Gefühl nicht verlieren, das den Tag und die Geschehnisse der letzten Nacht so surreal macht. Immer wieder schieben sich Bilder in meine Gedanken, von seinen Blicken, die mich von der Bühne herunter förmlich ausgezogen haben. Ich spüre sie auf meiner Haut und bewege mich noch eindringlicher zur Musik. Ich werfe meine Haare hin und her zu den harten Klängen der elektrischen Gitarren. Ich streiche sie mir aus dem Gesicht und sehe zu ihm auf. Er spielt ein gigantisches Solo und grinst zu mir hinunter. In meinem Kopf stehen die Gedanken still und es scheint mir als setzt mein Herz für einen Moment aus. Ich kann an nichts anderes denken, als das was ich mit ihm anstellen könnte, wenn es soweit kommen würde. Sein Blick lässt alle Möglichkeiten offen und der Schweiß, der ihm von seinem Kinn hinab auf die nackte Brust tropft, lässt mich nur noch tiefer in diese Gedankenwelt versinken. Ich beiße mir auf die Lippe um wieder etwas zu spüren und nicht völlig in meinen Trieben zu versinken.Währenddessen durchfährt die harte Musik meinen gesamten Körper und bringt mich dazu keine Sekunde still zu stehen. Seine langen Haaren sind schon etwas dünn und er erinnert mich etwas an meinen Vater, was mich zunächst zurückschrecken lässt, denn auch das Alter passt. Aber da ist dann wieder sein Blick und der hat so gar nichts väterliches an sich. Ich tanze, tausche Blicke mit ihm aus, die alles und doch nichts bedeuten können, und die Zeit vergeht viel zu schnell. Ehe ich mich versehe ist der letzte Ton verklungen und ich sitze gedankenversunken mit dem Rücken zur Bühne auf einer der Boxen und warte auf meine Freundin. Unverhofft spüre ich plötzlich seinen Atem an meinem Ohr, als er beginnt zu flüstern. Mir läuft ein kalter Schauer den Rücken hinunter, ein breites Grinsen bildet sich auf meinem Gesicht. Ich drehe mich um und sehe ihm direkt in die Augen und nicke. 
Er nimmt meine Hand und ich gehe ihm nach.

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